Stimmen für und wider die Autokephalie in Albanien, 1922–1937

Die Bedeutung der Religion in der albanischen Geschichte und Gegenwart einzuschätzen macht Mühe. 1929 beklagte etwa Joseph Swire, wie ausländische Betrachter vor ihrem eigenen Hintergrund die politische Rolle der Religionen in Albanien beständig überbewerteten.


Von KONRAD CLEWING (München)

Besonders auch die Rolle des Islam. Eine Propaganda wie die griechische kurz vor dem Ersten Weltkrieg, die darauf abzielte, die religiösen Zerwürfnisse als unüberwindbar und deshalb die Zugehörigkeit der  orthodoxen Minderheit zu einem ‚muslimischen‘ Staat als unannehmbar darzustellen, hatte daher bei einem guten Teil der europäischen Öffentlichkeit leichtes Spiel.1 Selbst heute überschätzen ausländische Betrachter des Landes leichthin mögliche religiöse Hintergründe etwa der politischen Willensbildung in Albanien, auch wenn dies außerhalb Griechenlands sicher kein wissenschaftliches Leitmotiv mehr darstellt.2 Umgekehrt hat die albanische Historiographie die Bedeutung der Religion stiefmütterlich behandelt. Allein die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Nation fand größere Aufmerksamkeit. Dabei stand besonders in der kommunistischen Zeit die vielfache Beteuerung, Religion habe bei den Albanern nie eine größere Rolle   gespielt und die Religion der Albaner sei immer ihr Albanertum gewesen, in einem merkwürdigen  Widerspruch zu der parallelen Kritik an der angeblich die Nation zersetzenden Wirkung der Aufspaltung in die drei Konfessionen. Die Folge dieser Gesichtsverengung war eine Überbetonung der politik- bzw. nationalgeschichtlichen Aspekte der albanischen Religionsgeschichte zulasten der sozial- und  mentalitätsgeschichtlichen, aber auch der im engeren Sinn kirchengeschichtlichen Aspekte.

 

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